Gil Eilin
Gil Eilin

Meet The Hood: The Haus

Berlin ist die Stadt der Pop Up-Stores. Wie Pilze poppen spannende Bars, Shops und Restaurants aus dem Boden. Je kürzer die Haltbarkeit, um so größer der Hype. West-Berlins aktuelle Pop Up-Sensation mit Verfallsdatum 31. Mai ist „The Haus“ in der Nürnberger Straße. Keine fünf Minuten zu Fuß vom ELLINGTON HOTEL BERLIN entfernt befindet sich das temporäre Epizentrum der Street-Art und Graffity-Szene – unübersehbar wegen der auffällig besprayten Fassade und der Menschenschlange, die sich Tag für Tag vor der Location aufbaut und Einlass begehrt.

Dass sich das Anstehen lohnt, springt dem Gast bereits im Treppenhaus entgegen. Als künstlerischer Appetizer auf das, was folgt, ist es mit Neonfischen, Wölfen, Eulen und Tigern besprüht, bemalt und beklebt. Auf fünf Stockwerken des inzwischen leerstehenden, ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Berliner Volksbank zeigen 165 Künstler für The House, was sich aus 108 nüchternen Räumen machen lässt, wenn es keinerlei Vorgaben und Einschränkungen gibt.

Ein Raum wird von monströsen Betonbeinen ausgefüllt, die geradewegs durch die Decke gebrochen zu sein scheinen. Ein zweiter ist völlig mit Moos ausgekleidet. Andere sind mit Blättern bestreut, dünster, lang, schrill oder labyrinthisch. Graffitis sind von disneyzarter bis bitterböser Art, zudem Videokunst und Installationen von riesenhaft bis winzigklein. Plastikpferde baumeln von der Decke, Stoffpenisse ruhen in Retro-Vitrinen. Vor Raum 309/ 310 animiert die Warnung „Nur für Erwachsene!“ erst recht zum Reingehen und die Toiletten verwirren, weil auch sie mehr Ausstellungsgegenstand, als real benutzbares Mittel zu Zweck zu sein scheinen.

Unter den Künstlern, die sich zwischen Januar und März auf „The Haus“ einließen – Unterzeile: „The Haus was created to be destroyed“ – befinden sich Innerfields, Mario Mankey, Die Dixons, Gogoplata, Tape That, Drink and Draw, Bond Truluv, Notes of Berlin (mit zeitgenössischen Berliner Wohnblock-Bonmots wie: „Piss noch einmal hierhin und ich scheiß Dir in die Fresse!“), Superbadboys und viele mehr.

Seit 1. April kommen täglich bis zu 1.500 Besucher, der Eintritt ist Ermessensache. Ganz im Sinne des Mottos „Geschaffen, um zerstört zu werden“ wird alles im Juni abgerissen. Das ist schön und schaurig. Dit is Berlin!

Alle Infos unter: www.thehaus.de

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Meet the Hood ist eine Erzählreihe von Gil Eilin Jung für den ELLINGTON-Blog in der unsere Gäste erfahren, was im unmittelbaren Hotel-Umkreis gerade brodelt und kocht.

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